Augenblicke

Blick hinter die Kulissen - das ganz private Interview mit Paul Musiol


Paul Musiol

Paul Musiol

Paul Musiol war lange Krankenpfleger in verschiedenen Krankenhäusern und Unikliniken auf der Intensivstation und Anästhesie. Als Heilpraktiker hat er jahrelang in seiner eigenen Praxis mit den Schwerpunkten Physikalische Therapien, Altersheilkunde, Physiotherapie, Hämodynamische Therapie und Gesundheit- und Pflegeberatung gearbeitet. Zuletzt war er Krankenpfleger in der Altersmedizin und Pflegedienstleiter und Verwalter von Alters- und Pflegeheimen im Kanton Zürich. Auch im Ruhestand ist er noch immer aktiv als freiberuflicher Pflegeexperte und Heilpraktiker und vertreibt außerdem seine Produkte Pflegedokumentation MEDDOK®, Patientenverfügung MEDDOK® und Gesundheitskarte MEDDOK®.

„Der Öffentlichkeit ist die ärztliche Ethik, der Umgang mit der Mangelernährung im Alter bei einer Demenz nicht bekannt. Die Ärzte rechtfertigen diese „unabwendbare Normalität des Siechtums beim alterskranken Menschen“ …“

Das Interview führte Petra Danner

Programmleitung Buch
Petra Danner
Paul Musiol

Das Interview

PranaHaus: Herr Musiol, vorweg wäre sicher wichtig zu klären, inwiefern sich Ihre Patientenverfügung von den herkömmlichen unterscheidet.

In der Vorlage der Patientenverfügung MEDDOK® sind die wichtigen Themenbereiche unabhängig voneinander gelistet und klar strukturiert, wie z.B. der Wunsch, bei der ärztlichen Diagnose einer irreversiblen Schädigung der Organsysteme, infolge von Krankheit oder Unfall, lebenserhaltende Maßnahmen zu unterbinden. Und auch wann eine Wiederbelebung oder Reanimation erfolgen darf. Laut des Welt-Alzheimer-Berichtes im Jahr 2015 erkrankt weltweit alle 3,2 Sekunden ein Mensch an Demenz. Derzeit leben ca. 46,8 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung, für das Jahr 2030 geht man von ca. 74,1 Millionen aus.

In der Bunderepublik Deutschland ist mit einem Anstieg an Demenz-erkrankten Personen auf voraussichtlich 3 Millionen im Jahr zu rechnen. Jüngste Schätzungen (Stand Februar 2014) gehen deutlich darüber hinaus.

Einer Mangelernährung mit Dehydration im Alter vorzubeugen, ist von Pflegefachkräften nur sehr begrenzt umsetzbar, weil sie schlicht und einfach keine Zeit dazu haben! So nehmen die Bewohner in Pflegeheimen langsam und oft unbemerkt ab. Dies ist ein schleichender Prozess mit schwerwiegenden Folgen für die Gesundheit und die Lebensqualität der Betroffenen. Bei einer Mangelernährung werden vor allem Muskelzellen abgebaut, das führt zu Immobilität und schmerzhaften Druckgeschwüren. Ein schlechter Ernährungszustand rechtfertigt immer das Legen einer Ernährungssonde, wenn es in der Patientenverfügung gewünscht wurde. Eine Ernährungssonde ist für einen Patienten keine unzumutbare Belastung. Es ist realistisch betrachtet sehr wahrscheinlich, dass dadurch seine Lebensqualität länger zu erhalten erreicht werden kann.

Ich will den Lesern mit meiner Patientenverfügung ans Herz legen, sich vorausschauend und vorsorglich Gedanken zu machen, wie sie sich ihre Pflege und mögliche medizinische Eingriffe und Therapien wünschen oder eben auch nicht wünschen.

Sie sind Heilpraktiker. Hatten Sie beruflich mit dem Thema zu tun?

Mit dem Älterwerden habe ich mich als Heilpraktiker immer auseinandergesetzt. Es muss als dynamischer und als biologischer Prozess verstanden werden. Man erlebt Freude und sieht sich auch zunehmend mit Verlusten und Erkrankungen konfrontiert. Ich gebe meinen Patienten wichtige Informationen, damit sie bis ins hohe Alter kognitiv und körperlich fit bleiben können.

Sie haben eine kleine, liebevoll gestaltete Broschüre verfasst. Wie kamen Sie darauf, diese Patientenverfügung zu schreiben? Welche Erfahrungen haben Sie dazu gebracht?

Es gibt keine vergleichbare Vorlage von Patientenverfügungen im deutschsprachigen Raum. Viele Vorlagen von Patientenverfügungen stufe ich als problematisch ein. Ihre Aussagen sind für Patienten in ihrer Konsequenz nicht einzuordnen. Sie sind teilweise irreführend, manipulierend und suggerieren dem Patienten ein humanes, menschenwürdiges Leben und Sterben in ihrem letzten Lebensabschnitt.

Das war für mich die Antriebsfeder, aus meinen beruflichen Erfahrungen als Heilpraktiker, Pflegefachkraft und Verwalter von Alters- und Pflegeheimen in der Schweiz die Patientenverfügung MEDDOK® mit Vorsorgevollmacht zu schreiben: kompetent, neutral, sachlich und objektiv. Mit dem Layout möchte ich den Leser ganz einfach einladen und es ihm erleichtern, sich diesem eher schwierigen Thema, dem Umgang der eigenen Endlichkeit, mental zu nähern.

Warum halten Sie es für so wichtig, dass wir uns bereits frühzeitig und bei voller Gesundheit damit beschäftigen?

Das Thema Patientenverfügung scheint vielen Leuten unter den Nägeln zu brennen. Wer über sein (Weiter-)Leben bis zum Tod frei bestimmen möchte, tut gut daran, in noch urteilsfähigem Zustand rechtzeitig Details in seiner Patientenverfügung mit einer Vorsorgevollmacht zu regeln. Denn durch Unfall, Krankheit oder Schlaganfall wird man unter Umständen schlagartig aus dem aktiven Leben gerissen.

Was auch immer unternommen wird: Vielleicht geschehen gewisse medizinische Maßnahmen gegen den Willen des Patienten, der sich nicht mehr äußern kann. Wenn nichts Schriftliches in Form einer Patientenverfügung vorliegt, versuchen die Ärzte, den mutmaßlichen Willen des Patienten zu eruieren. Vertreten Angehörige unterschiedliche Meinungen, macht es die Arbeit der Ärzte nicht leichter.

Wie ist denn der Umgang der Ärzte mit Ihrer Patientenverfügung, was haben Sie diesbezüglich bisher erlebt?

Die Landesärztekammern geben eigene Vorlagen von Patientenverfügungen heraus. Die Patientenverfügung MEDDOK® werden Sie deshalb nicht in einer Arztpraxis finden.

Die medizinische und ärztliche Ethik definiert der Arzt nach Indikationen der Erkrankung selbst. Er hat zu beurteilen, welche ärztlichen Maßnahmen im Hinblick auf den Zustand, die Prognose und auf das Ziel der Behandlungen des Patienten indiziert sind. Für Ärzte besteht keine medizinische Indikation zur Einleitung oder Weiterführung der künstlichen Ernährung, weil die Krankheit Demenz (noch) nicht heilbar ist. Die künstliche Ernährung darf deshalb nicht (mehr) durchgeführt werden. Die Patientenverfügung MEDDOK® beschreibt im 2. Kapitel die Auswirkungen des Mangels von Flüssigkeit und Nahrung im Alter. Diese sachlichen und kompetenten Informationen finden sich in keiner anderen Vorlage von Patientenverfügungen, und sie erleichtern dem Leser die Entscheidung für oder gegen eine Ernährungssonde.

Gelegentlich wird auch durch Angehörige das Betreuungsgericht angerufen, wenn die Kommunikation mit dem Arzt scheitert. Das Betreuungsgericht hat jedoch nicht die Frage der medizinischen Indikation zu entscheiden, sondern zu prüfen, ob eine indizierte Maßnahme dem Willen des Patienten entspricht.

Sie erklären auch die aktive und passive Sterbehilfe, die zulässig sei. Was genau darf der Arzt denn tun?

Die aktive Sterbehilfe (Tötung auf Verlangen) ist verboten! Es gibt 2 Haupttypen der Sterbehilfe, die unter bestimmten Bedingungen erlaubt sind:

Eine passive Sterbehilfe ist lediglich eine Behandlungsbegrenzung, wie z.B. der Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit. Der weitere Lebensweg kann trotz „passiver Sterbehilfe“ bis zum Lebensende eine lange, qualvolle Zeitspanne zum Inhalt haben.

Eine indirekte (aktive) Sterbehilfe beinhaltet leidensmindernde Maßnahmen, die das Sterben erleichtern. Diese ärztliche Dienstleistung müssen Sie in Ihrer Patientenverfügung einfordern, wenn Sie ein friedliches Sterben wünschen, frei von Angst, Schmerz und anderen quälenden Symptomen.

Das ist ja alles in allem ein heikles Thema ... Wie sieht hier die Gesetzeslage aus?

Das seit September 2009 geltende dritte Betreuungsrechtsänderungsgesetz § 1901 BGB, das sogenannte „Patientenverfügungsgesetz“, verankert diese Möglichkeit der Willensbekundung im Zivilrecht. Mit der Patientenverfügung gemäß § 1991a BGB willigt der Patient ein oder untersagt der Patient folgende ärztliche Dienstleistungen:

1. bevorstehende Untersuchungen seines Gesundheitszustandes
2. Heilbehandlungen oder ärztliche Eingriffe

Die Festlegung für eine bestimmte ärztliche Maßnahme ist verbindlich, wenn diese konkrete Lebens- und Behandlungssituation eindeutig und sicher abgeleitet werden kann. Die Ärztin oder der Arzt muss eine derart verbindliche Patientenverfügung beachten, auch wenn keine Vertreterin oder kein Vertreter bestellt ist. Die Missachtung des Patientenwillens kann als Körperverletzung strafbar sein.

Sie betonen auch, dass die Ärzte es gerade bei dementen Patienten wohl häufig ablehnen, sie per Sonde zu ernähren! Man sollte glauben, dass das doch selbstverständlich ist, wenn es indiziert ist?

Der Öffentlichkeit ist der Umgang der Ärzte mit der Mangelernährung im Alter bei einer Demenz nicht bekannt. Das Recht auf Leben wird einem Patienten mit der Diagnose Altersdemenz von den Ärzten verweigert. Die Ärzte stoppen nicht die drohende Unterernährung und Dehydration und nehmen den vorzeitigen Tod des Patienten billigend in Kauf. Die Ärzte rechtfertigen diese „unabwendbare Normalität des Siechtums beim alterskranken Menschen“ mit irreführenden, täuschenden, manipulierenden Aussagen, Behauptungen, Gutachten und Therapien, wie der subkutanen Infusion. Die subkutane Infusion ist keine medizinische Maßnahme. In der einschlägigen Literatur finden Sie die subkutane Infusion nicht! Der Mensch wird zum Perpetuum mobile, das angeblich ohne Nahrung und Flüssigkeit ein friedliches und gesundes Weiterleben bis zum Tod erleben darf. Demenzpatienten, die ihre Sprache verloren haben, können sich nicht wehren, sind wehrlos, rechtlos und den Ärzten ausgeliefert!

Nicht nur die Pflege, auch die Sterbebegleitung eines kranken Menschen kann zu einem ziemlichen Kraftakt werden, vor allem bei dementen Patienten. Wo findet man am besten Unterstützung?

Eine professionelle Sterbebegleitung bieten die ambulanten und stationären Einrichtungen der Hospize an: http://www.dhpv.de/ueber-uns_der-verband.html. Dort findet man die Stützpunkte in den Bundesländern.

Die Angehörigen der Patienten haben eine wichtige Kontrollfunktion in den Seniorenresidenzen und Alters- und Pflegeheimen zu erfüllen, damit der Patient ausreichend gepflegt und betreut wird.

Was ist Ihre persönliche Botschaft an die Menschen, die demente oder schwerkranke Familienmitglieder begleiten?

Die Patientenverfügung MEDDOK® gibt den an einer Demenz Erkrankten eine Stimme und setzt sich für ein menschenwürdiges, humanes Leben und Sterben im letzten Lebensabschnitt ein. Nach der Familienaufstellung ist das Leben ein Geben und Nehmen. Das, was wir an Fürsorge und Liebe von unseren Eltern bekommen haben, geben wir dem alterskranken Menschen an Fürsorge und Liebe wieder zurück. Bitte holen Sie sich rechtzeitig professionelle Hilfe ins Haus, wenn Sie mit der Betreuung und Pflege Ihres Angehörigen an Ihre Grenzen kommen! Ich biete Ihnen eine kostenlose Unterstützung bei Ihren offenen Fragen und beim Ausfüllen des Heftes an. Die Kaufquittung und Ihre Anfrage bitte weiterleiten an: info@pflegeberatung-bodensee.com.

Herr Musiol, ganz herzlichen Dank für Ihre offene Einschätzung.

©PranaHaus GmbH

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