Shoyoroku
Von Wolfgang Walter, E'un-Ken (Wolke der Weisheit)

Shoyoroku Nr. 99


Essen ist besser

Diop: Wir kommen heute zum vorletzten Koan im Shoyoroku. Wie lautet das?

WW: Ein Mönch fragte Ummon: „Was ist der Staub-Staub-Samadhi?“ Ummon sagte: „Reis in der Schale, Wasser im Eimer.“

Diop: Was bedeutet in diesem Zusammenhang das Wort „Staub“?

WW: Das Wort „Staub“ meint in diesem Zusammenhang das Sehen durch die Augen, die Wahrnehmung unterschiedlicher Klänge durch die Ohren, das Riechen durch die Nase, das Schmecken mit der Zunge, das Empfinden durch die Haut und das Bewusstsein, das die Dinge der Welt wahrnimmt.

Diop: Bei dem Wort „Staub“ kommt mir das Staubwischen in den Sinn.

WW: Ja, es scheint, als ob Staub etwas ist, was entfernt werden müsste, etwas, das schmutzig ist und weggewischt werden muss. Diese Betrachtungsweise erscheint mir jedoch sehr an der Oberfläche zu sein. In tieferen Schichten spricht das Koan das Absondern von dieser Welt an, das man mit Hilfe von Erleuchtung bzw. Samadhi erreicht hat. Ich meine, wer ständig über Erleuchtung spricht, nimmt den Mund ein wenig zu voll.

Diop: Aber es ist doch ganz natürlich, dass Mönche immer wieder nach dem Bereich fragen, der ihnen verschlossen ist.

WW: Genau das ist das Problem. Allein die Frage ist doch bereits die Antwort. Wir müssen unser Wesen zu dem Ummons machen, dann wird es uns vollkommen klar sein. Wir wühlen ständig im Staub herum und erkennen nicht, dass es das bereits ist. Zen ist ein offenes Geheimnis, darin liegt nichts Geheimnisvolles. Alles liegt offen vor uns.

Diop: Aber der Mönch spricht nicht von Staub-Samadhi, sondern von Staub-Staub-Samadhi. Was meint er damit?

WW: Der Mönch spricht hier die Einheit unserer Sinne mit der Wesenswelt an, daher zweimal Staub. Das Kegon-Sutra sagt, dass jedes Staubkörnchen das ganze Universum enthält. Das bedeutet, dass das ganze Geschehen dieses Universums in einem einzigen Staubkörnchen enthalten ist und nicht verschieden ist von uns. Daher kann es nie um ein Entfernen des Staubes gehen, um ein Entfernen alles Negativen dieser Welt. Es geht nie darum, etwas zu erfassen, um es mit etwas anderem zu ersetzen, sondern es geht darum, den Staub zu integrieren. Diese Integration kann jedoch nicht gemacht werden. Im Lied vom Erleben des Weges heißt es: „Geist ist des Bewusstseins Wurzel, alles Dingliche ist Staub. Beide gleichen Fleckenspuren auf des Spiegels reinem Rund.“

Diop: Bedeutet das, dass wir sowohl den Geist wie auch das Dingliche übersteigen müssen?

WW: Ja. Beide Ebenen müssen transzendiert werden. Dazu ist es nötig, in den Staub hinein zu versinken, in das, was ist, um die ganze Wunderwelt zu erfahren. Dabei müssen wir auch diese dualistische Welt hinter uns lassen. Möglicherweise ist der Mönch tief in diese Wunderwelt eingedrungen. Er genießt sie und ist fasziniert von ihr. Aber Ummon holt ihn wieder herunter und antwortet: „Reis in der Schale, Wasser im Eimer.“

Diop: Was meint er damit?

WW: Er will sagen: Warum über Dinge reden, über die nicht geredet werden kann? Ummons Antwort ist wie ein Schlag ins Wasser und führt uns in die lebendige Dynamik, von der wir umgeben sind und die wir gleichzeitig auch selber sind. Die Antwort auf die Frage ist das, was dem Mönch in diesem Augenblick fehlt: „Reis in der Schale, Wasser im Eimer“, das Allergewöhnlichste. Auf der anderen Seite bedeutet Reis in der Schale Form in der Leere und Wasser im Eimer Leerheit in der Form. Die Frage ist, wie kann ich beides verwirklichen? Ummon führt den Mönch in die Wahrheit des Augenblicks. Der japanische Meister Fugai sagt dazu in seinem Kommentar: „Das ist, wie wenn sich einer unterwegs verspätet hat. Es reicht nicht mehr zur Heimkehr in das Dorf, es reicht auch nicht mehr rückwärts nach dem Laden der Stadt. Wie soll da in den Topf der Reis und in den Eimer Wasser kommen? Es geht schief, so oder so. Man versucht es hin, versucht es her, überlegt bald so, bald anders, und kommt doch nicht weiter. Endlich entschließt man sich, den Kreislauf überlegender Gedanken anzuhalten, und doch lässt dieser sich nicht halten. Wer sich im Staub-und-Staub-Samadhi übt, erlebt auch solche Stunden. - Und zu alledem kommt noch die Not des Ärgers!“

Diop: Die Not des Ärgers, die zu alledem noch hinzukommt, ist bei mir oft Realität beim Sitzen.

WW: Und doch ist der Ärger, den ich in diesem Augenblick erlebe, eigentlich das, was ich suche. Ich meine, der Fehler, den wir machen, ist der, dass wir versuchen, die Dynamik des Augenblicks, auch wenn es gerade der Ärger ist, zu unterdrücken und loszuwerden.

Diop: Wollen Sie damit sagen, dass im Ärger das aufblitzt, was ich eigentlich suche?

WW: Ja. Dieser Staub ist es. Wir müssen nichts reinigen und nichts wegwischen. Eigentlich müssen wir Augenblick für Augenblick nur schlucken und verdauen. Aber wir sind meist damit beschäftigt, den Augenblick auszuspucken, um ihn loszuwerden. Wir können es einfach nicht glauben, dass es auch der Ärger ist, worin sich dieses offenbart, wofür wir keine Worte haben. Wir sollten aufhören, zu versuchen, diesen Staub ständig wegzuwischen. Nur wer aufgibt, wird gewinnen. Wir sollten uns ganz nackt erkennen als das, was wir in diesem Augenblick sind. Das ist die Übung des Zen. Sie führt uns nicht hinauf in Gefielde der Entrücktheit, sondern hinab in unser wahres Menschsein. Auf diesem Weg gibt es keine Stufen, die erreicht werden müssten, und auch keine Hilfsmittel, mit denen es möglicherweise leichter und schneller ginge. Yamada Koun Roshi sagt: „Ein echtes Samadhi bedeutet, dieses Faktum zu realisieren und dadurch zu einem unerschütterlichen und wahren Herzensfrieden zu gelangen.“ Auch der Ärger hat seinen Platz im Universum und darf sein.

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