Shoyoroku
Von Wolfgang Walter, E'un-Ken (Wolke der Weisheit)

Shoyoroku Nr. 9


Wahres Leben

Diop: Gibt es auch Beispiele, in denen getötet wird, mit dem Ziel, diese Wirklichkeit zu realisieren?

WW: Nein.

Diop: Aber ich habe gehört, dass eine Katze von einem Meister getötet wurde.

WW: Sie sprechen bestimmt das vierzehnte Koan aus dem Mumonkan an.

Diop: Das kann sein. Was ist der Hintergrund zu diesem Koan?

WW: Nun, wegen einer Katze stritten sich einmal die Mönche von der östlichen mit denen von der westlichen Zen-Halle. Nansen hielt die Katze hoch und sagte: „Ihr Mönche! Kann einer von euch ein Wort sagen, will ich die Katze schonen. Könnt ihr es nicht, ist sie dem Schwert verfallen.“ Niemand konnte antworten, so dass Nansen schließlich die Katze mit einem Messer in zwei Teile teilte. Als Joshu am Abend heimkam, erzählte ihm Nansen, was geschehen war. Daraufhin nahm Joshu seine Sandalen, legte sie auf den Kopf und ging davon. Nansen sagte: „Wärest du hier gewesen, hätte ich die Katze verschonen können.“

Diop: Das ist genau das, was ich vorhin ansprechen wollte. Das kann doch nicht sein.

WW: Lassen Sie mich ein paar Worte dazu sagen und von vorne beginnen. Im Zendo von Nansen gab es vermutlich zwei getrennte Zen-Übungsräume. Das Koan beginnt damit, dass sich die Mönche von der östlichen mit denen der westlichen Zen-Halle stritten. Es ging um eine Katze, die gerade auf dem Klosterhof herumlief. Wahrscheinlich stritten sich die Mönche darum, ob auch eine Katze Buddhanatur habe, ähnlich dem Hund bei Joshu. Nansen sah dies und wollte dem Spuk ein Ende machen. Sicher war er ein wenig in Sorge, als er das intellektuelle Geplänkel der Mönche hörte. Also kam er dazu, nahm ein Messer, hielt die Katze hoch und sagte: „Ihr Mönche! Kann einer von euch ein Wort sagen, will ich die Katze schonen. Könnt ihr es nicht, ist sie dem Schwert verfallen.“ Nun, was hätten Sie an Stelle der Mönche gesagt?

Diop: Ich weiß es nicht. Ich wäre wahrscheinlich erschrocken gewesen.

WW: So war es auch bei den Mönchen. Keiner wusste ein Wort zu sagen. Also nahm Nansen sein Messer und schnitt die Katze in zwei Teile.

Diop: Aber warum hat er das getan?

WW: Ich glaube, dieses Koan ist nicht nur ein sehr wichtiges, es ist auch ein sehr gefährliches Koan. Sicher aber ist es nicht ein Freibrief, um zu töten. Die Katze war in diesem Augenblick der Ausgangspunkt für alle Streitereien und Diskussionen. Sie steht für die Konzepte und Meinungen, die die Mönche hatten. Nansen durchschneidet an Hand der Katze die ganze Intellektualität und demonstriert ihnen, worum es eigentlich geht. So ist die Handlung Nansens ein Ausdruck großer Liebe zu seinen Mönchen. Nur der Hass ist in der Lage, zu töten, nicht aber die Leerheit. In der Einheit von Form und Leere kann nichts getötet werden, auch wenn es so aussieht.

Diop: Aber was ist der eigentliche Hintergrund?

WW: Gemeint ist immer nur dieses Eine. Sobald wir beginnen, darüber nachzudenken, geraten wir in eine Falle. Das Zerschneiden ist der Ausdruck dieses Einen, da gibt es kein Zweites. Da bleibt nichts übrig. Es gibt nur eine Wahrheit. Nansens Handlung ist in diesem Augenblick vollkommen leer. Im Hochhalten der Katze präsentiert Nansen die Dynamik seiner Wesensnatur.

Diop: Aber die Geschichte ist damit ja noch nicht zu Ende.

WW: Nein. Sie hat noch ein Nachspiel. Als Joshu am Abend heimkam, erzählte ihm Nansen, was geschehen war. Daraufhin nahm Joshu seine Sandalen, legte sie auf den Kopf und ging davon. Nansen sagte: „Wärest du hier gewesen, hätte ich die Katze verschonen können.“

Diop: In welcher Beziehung steht Nansen zu Joshu?

WW: Nansen ist der Lehrer von Joshu.

Diop: Ich verstehe nicht, warum Joshu seine Sandalen nimmt und auf den Kopf legt.

WW: Zum ersten war dies im damaligen China ein Ausdruck von Trauer, zum zweiten offenbarte Joshu mit dieser Geste sein ganzes Wesen. Aus diesem Grund sagt Nansen: „Wärest du hier gewesen, hätte ich die Katze verschonen können.“

Diop: Diese Zen-Meister! Sie sind und bleiben ein Geheimnis für mich.

WW: So soll es auch sein. Es geht eigentlich immer nur darum, in diese Ur-Wirklichkeit einzutauchen, die sich in jedem Augenblick vor uns auftut. Ob diese Wirklichkeit verschieden und doch gleich ist, oder gleich und doch verschieden, spielt dabei eigentlich keine wesentliche Rolle. Und doch ist es wichtig, auch dieses vollkommen realisiert zu haben.

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