Shoyoroku
Von Wolfgang Walter, E'un-Ken (Wolke der Weisheit)

Shoyoroku Nr. 83


Verwirklicht oder nicht verwirklicht?

WW: Isan fragte den Dogo: „Wo kommst du her?“ „Ich komme von der Pflege der Kranken“, antwortete Dogo. Isan fragte ihn: „Wie viele Leute sind krank?“ „Einige sind krank und einige sind nicht krank“, antwortete Dogo. Isan fragte: „Ist der Nicht-Kranke der Mönch Chi?“ „Kranksein und Nicht-Kranksein haben damit nichts zu tun. Sprich schnell! Sprich schnell!“, sagte Dogo. Darauf Isan: „Selbst wenn man antworten könnte, hätte es damit nichts zu tun.“

Diop: Es scheint, als würde Isan nicht von körperlicher Krankheit sprechen.

WW: Das ist richtig.

Diop: Isan fragt Dogo, woher er komme, und Dogo antwortet: „Von der Pflege der Kranken“.

WW: Ja. Er meint damit das Zendo, wo die Mönche sitzen und an der Form festhalten.

Diop: Isan fragte weiter: „Wie viele Leute sind krank?“ und Dogo antwortet: „Einige sind krank und einige sind nicht krank.“ Was meint er damit?

WW: Einige haben die neue Wirklichkeit realisiert, d.h. die Form losgelassen, einige noch nicht.

Diop: Isan fragte weiter: „Ist der Nicht-Kranke der Mönch Chi?“ Wen meint er damit?

WW: Isan meint damit Dogo. Er will wissen, ob er gesund ist, also ob er in der Ur-Wirklichkeit steht.

Diop: „Kranksein und Nicht-Kranksein haben damit nichts zu tun“, antwortet Dogo. Was ist der Sinn dieser Worte?

WW: Dogos Erleuchtung oder Nicht-Erleuchtung haben nichts mit dieser Ur-Wirklichkeit zu tun. Beides ist in ihr vollständig enthalten.

Diop: Trotzdem glauben viele Menschen, dass es zwei getrennte Zustände gibt, erleuchtet und nicht erleuchtet.

WW: Ja. Sie sind der Meinung, dass Erleuchtung von irgendwoher käme.

Diop: Sie meinen, das ist ein Irrtum?

WW: Ja. Aber selbst diese Vorstellung ist im tiefsten Grunde nichts anderes als Erleuchtung.

Diop: Wie ist es aber, wenn ich die Erleuchtungserfahrung gemacht habe? Bin ich mir in diesem Augenblick dessen bewusst?

WW: Nein. Ich bin mir in dieser Erfahrung weder des Augenblicks bewusst noch der ewigen Gegenwart. Da ist sonst nichts. Kalt ist kalt und warm ist warm. Jeder Gedanke an Erleuchtung ist in diesem Augenblick vollständig verschwunden. Unser ungeteilter Geist kümmert sich in dieser Erfahrung nicht um Erleuchtung oder Nicht-Erleuchtung, er transzendiert alle Gegensätze. Jede Erinnerung an Erleuchtung ist in diesem Zustand einer alles überwältigenden Natürlichkeit gewichen. Man hat auch nicht das Gefühl, etwas Besonderes erreicht zu haben. Aber eigentlich sollte ich darüber nicht sprechen.

Diop: Warum nicht?

WW: Weil alles, was ich sage, sofort zu einem Konzept und zu abstrakten Vorstellungen wird.

Diop: Selbst wenn Sie über dieses Koan sprechen?

WW: Ja. Es ist völlig egal, ob ich über dieses oder jenes Koan spreche. Die Gefahr ist immer, dass man an Worten festgemacht wird. Daher auch die Reaktion von Dogo, als er sagt: „Kranksein und Nicht-Kranksein haben damit nichts zu tun.“ Und er fügt sofort hinzu, um Isan keine Zeit zum Überlegen zu lassen: „Sprich schnell! Sprich schnell!“ Wo ist es jetzt, in diesem Augenblick? Er will es sofort sehen. Darauf Isan: „Selbst wenn man antworten könnte, hätte es damit nichts zu tun.“

Diop: Was bedeutet dieser Satz von Isan?

WW: Wir können diesen Satz von Isan nicht intellektuell begreifen. Ich kann nur sagen, es ist eine wunderbare Antwort. Es zeigt die Dynamik, losgelöst von gewöhnlich oder erleuchtet. Worte haben nichts damit zu tun.

Diop: Vielleicht will Isan damit ausdrücken, dass selbst seine Antwort nichts mit oben und unten zu tun hat.

WW: Isan befindet sich in einem geistigen Zustand, dessen Essenz frei von jeglichem unterscheidenden Denken ist. Seine Antwort ist so weit wie der offene Raum. Ob Erleuchtung verwirklicht wird oder einfach nur in unserem Bewusstsein schlummert, spielt keine Rolle.

Diop: Ich habe den Eindruck, Dogo will seinen Meister prüfen.

WW: Dieses Prüfen hat jedoch nichts Provozierendes an sich. Es geht Dogo nur darum, mit Hilfe seines Meisters tiefer in diese Wirklichkeit einzutauchen.

Diop: Könnte man sagen, es gibt keine unerleuchteten Menschen?

WW: Ja. Erleuchtung ist uns angeboren. Nur weil es den Begriff „Erleuchtung“ gibt, gibt es auch den Begriff „Nicht-Erleuchtung“. Daraus resultiert wiederum, dass man Erleuchtung erreichen könnte. Aber sowohl Erleuchtung wie Nicht-Erleuchtung stammen aus der gleichen Einheit. „Nicht gestorben, trotzdem geboren, lebend ohne Tod“ heißt es im Vers zu diesem Koan.

Diop: Die Frage nach Leben und Tod spielt in unserem Leben oft eine entscheidende Rolle.

WW: Das ist richtig. Bankei hat einmal gesagt: „Was in dieser Welt geboren wird und körperliche Gestalt annimmt, muss zwangsläufig die Erfahrung des Krankseins machen. Wenn ihr aber fest im ungeborenen Buddha-Geist verwurzelt seid, so macht das Leiden, das für gewöhnlich mit einer Krankheit einhergeht, euch keinen Kummer mehr.“

Diop: Was meint Bankei mit „ungeboren“?

WW: „Ungeboren sein“ bedeutet, nicht mehr vom Denken abhängig zu sein. Leben und Tod, Freude und Schmerz können nur dann entstehen, wenn sich Gedanken einstellen und wir beginnen, uns Sorgen um unsere Krankheit zu machen.

Diop: Sind Sie der Meinung, dass wir unser Leiden selbst erschaffen?

WW: Nicht nur das Leiden und die Krankheit, auch den Tod erschaffen wir selbst. Sobald unser Denken beginnt, sich um Krankheit und Tod zu kreisen, wird unser Bewusstsein in Krankheit und Tod verwandelt. Wir werden sterblich.

Diop: Wie entkommen wir diesem Todes-Bewusstsein?

WW: Indem wir unserem Denken keine neue Nahrung mehr geben. Wenn unser Geist ganz im Augenblick verwurzelt ist, haben Krankheit und Tod keine Chance. Dabei geht es nicht darum, die Krankheit zu leugnen, sondern sie anzunehmen. Dann ist der Schmerz nur ein Schmerz, losgelöst vom Denken, ein Augenblick in diesem reinen Bewusstsein, das durch nichts eingefärbt ist.

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