Shoyoroku
Von Wolfgang Walter, E'un-Ken (Wolke der Weisheit)

Shoyoroku Nr. 39


Weiter, immer weiter

WW: Ein Mönch fragte Joshu in allem Ernst: „Gerade bin ich erst in dieses Kloster eingetreten. Ich ersuche Euch, Meister, gebt mir bitte Unterweisung!“ Joshu fragte: „Hast du schon deinen Reisbrei gegessen?“ Der Mönch antwortete: „Ja, das habe ich.“ Joshu sagte: „Dann wasche deine Essschalen.“ Da erlangte der Mönch eine gewisse Erleuchtung.

Diop: Was wollte Joshu diesem Mönch klarmachen?

WW: Schauen Sie. Der größte Teil unseres täglichen Lebens besteht aus einer Vielzahl von kleinen und unscheinbaren Dingen, wie z.B. aufstehen, Zähneputzen, waschen, anziehen usw. Die Wiederholung, dieser immer gleiche Trott ist ein Kennzeichen unseres Alltags. Sie bildet einen selbstverständlichen Rhythmus, der nicht ständig neue Entscheidungen verlangt. Es ist jeden Tag gleich.

Diop: Sie sprechen von den routinemäßigen Abläufen, die unser Leben zum Großteil bestimmen.

WW: Ja. Unser Leben ist geprägt von diesen Wiederholungen. Aber es liegt auch eine große Kraft in diesen Wiederholungen, wenn wir jedes Mal neu an sie herangehen würden.

Diop: Können Sie mir das genauer erklären?

WW: Wenn wir die wahre Wirklichkeit kennenlernen wollen, und das war ja auch die Absicht dieses Mönches, der zu Joshu kam, müssen wir die Dinge sehen, wie sie wirklich sind, neu. Es ist unser rastloses Ich, das uns ständig Situationen vorspiegelt, die nicht der Wirklichkeit entsprechen. Auf diese Weise geraten wir immer wieder in die gleichen Verhaltensmuster und entfremden uns so von unserem wahren Wesen. Die Dinge liegen aber nicht so, wie sie unser Ego erfährt. Abspülen ist nicht abspülen, einatmen ist nicht einatmen.

Diop: Sie wollen damit ausdrücken, dass wir das tägliche Abspülen ganz neu erfahren müssen.

WW: Ja. Die Sehnsucht dieses Mönches, der zu Joshu kam, war sicher auf etwas Großes ausgerichtet, auf etwas Wunderbares und Geheimnisvolles. Doch Joshu holt ihn auf den Boden zurück, in das wahre Leben. Wo sonst sollten wir das Wunderbare unseres Lebens entdecken, wenn nicht in diesem Leben selbst? Die Speise, die uns wirklich sättigen kann, liegt in der Achtsamkeit des Alltags. Dabei müssen wir aber zuerst unsere Essschalen reinigen und unser Ich von all den Erwartungen, Wünschen und Konzepten frei machen, damit etwas Neues an seine Stelle treten kann. Zen zielt auf nichts anderes hin, als unseren Kopf hohl und leer zu machen, damit die wirkliche Wirklichkeit Platz hat.
Sekkyo fragte einmal einen seiner Mönche: „Wie bekommst du die Leere zu fassen?“ „Mal sehen“, sagte der Mönch und fing eine Handvoll Luft. „Nein“, sagte Sekkyo, „das ist es nicht.“ „Nun, Meister“, sagte der Mönch, „dann zeig mir bitte, wie’s geht.“ Da schnappte sich Sekkyo die Nase des Mönchs und zog kräftig daran. „Autsch!“, schrie der Mönch. „Du tust mir weh!“ „Tut mir leid“, sagte Sekkyo. „Aber das ist der einzige Weg, die Leere zu fassen zu kriegen.“
Man könnte das vorherige Koan auch ganz neu betrachten. Ein Mönch kommt in das Kloster und bittet um Unterweisung. Joshu fragt: „Hast du schon deinen Reisbrei gegessen?“ Er will sagen: „Ist deine Form schon leer geworden? Bist du bereits in die Leerheit eingetreten?“ Der Mönch antwortete: „Ja, das habe ich.“ Er will damit ausdrücken: „Ich habe meinen Reis gegessen, meine Schale ist leer, ich habe die Leerheit erfahren. Aber wie geht es weiter?“ Joshu sagte: „Dann wasche deine Essschalen.“ Tu, was zu tun ist und frage nicht ständig nach dem Sinn dessen, was du tust. Irgendwann wirst du herausfinden, dass im Grunde nicht du das bist, der da handelt und dass du nicht das bist, der dies wahrnimmt. Geh in die Dynamik des Alltags und integriere Leerheit und Form. Das ist der tiefere Sinn dieses Koans.

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