Shoyoroku
Von Wolfgang Walter, E'un-Ken (Wolke der Weisheit)

Shoyoroku Nr. 37


Weg zur Integration

WW: Wenn Denken entsteht und Dualismus uns fesselt, sind wir von der Weisheit getrennt. Wir sollten erkennen, dass Karma und Leerheit der eine und ursprüngliche Geist ist. Isan fragte einmal den Kyozan: „Angenommen, jemand fragt dich: ‘Was ist mit einem, der sagt, alle Lebewesen seien in einem unbestimmten karmischen Bewusstsein ohne jede Grundlage, auf der sie stehen können?’ Wie würdest du mit ihm umgehen?“

Diop: Isan fragt Kyozan in diesem Beispiel nach seinem Verständnis von Karma?

WW: Ja. Sinngemäß könnte er gefragt haben: Was ist mit einem, der behauptet, Karma hätte keine Auswirkungen auf ihn? Was würdest du ihm sagen?

Diop: Und was antwortet Kyozan?

WW: Kyozan antwortet: „Wenn so jemand erscheint, spreche ich ihn an. Wenn er sich dann abwendet, frage ich sofort: ’Was ist es?’ Ich warte, ob er zögert und sage dann zu ihn: ‚Da ist nicht nur ein unbestimmtes karmisches Bewusstsein, es fehlt auch die Basis, auf der man stehen kann.’“

Diop: Das verstehe ich nicht.

WW: Er will sagen: Da ist nicht nur ein leeres Bewusstsein, das fortwährend kommt und geht, es fehlt auch die Form. Nicht nur das karmische Bewusstsein, auch die Basis, - die Wirklichkeit - ist ihrer Natur nach leer. Beide sind völlig ohne Substanz. Huang-po bezeichnet dieses Bewusstsein als „Plattform des Geistes“. Isan sagte nur: „Oh, gut“.

Diop: Isan bestätigt Kyozan’s Verständnis von Karma?

WW: Ja. Isan könnte auch gefragt haben: „Alle Lebewesen sind ohne Grundlage und stehen doch auf ihr. Was meinst du?“ Kyozan: „Form und Leerheit erzeugen Dynamik. Diese Dynamik führt zur Integration beider.“ Isan: „Nichtwissen ist leer und ohne Basis.“
In diese Substanzlosigkeit müssen wir eindringen. Doch um dahin zu gelangen, ist es notwendig, dass wir uns vollkommen auf unsere Übung einlassen.

Diop: Sie meinen, wir sollten den wahren Menschen in uns entdecken?

WW: Ja. Darauf zielen alle Koans ab.

Diop: Im Zen taucht ab und zu das Wort „Karma“ auf. Was halten Sie davon?

WW: Huang-po hat einmal gesagt: „Wenn ihr, während ein Gedanke dem anderen folgt, Weisheit weiterhin außerhalb von euch sucht, dann kommt es zu einem fortlaufenden Prozess von Gedanken, die aufsteigen, abklingen und von anderen gefolgt werden. Darum müsst ihr Mönche weiter Geburt, Alter, Krankheit und Tod erleiden. Ihr schafft euch euer Karma, das entsprechende Wirkungen hervorruft. Auf solche Weise entstehen und vergehen die fünf Luftblasen, mit anderen Worten, die fünf Skandhas. Ach, könntet ihr nur verhindern, dass auch nur ein einziger Gedanke aufsteigt, dann würden die achtzehn Sinnesbereiche vergehen. Wie göttlich wären dann die körperlichen Belohnungen und wie erhaben wäre die Erkenntnis, die in eurem Geist aufginge! Ein solches Bewusstsein könnte die ‚Plattform des Geiste’ genannt werden. Solange ihr euch aber in Bindungen verliert, verdammt ihr eure Körper dazu, Leichname zu sein oder, wie es manchmal ausgedrückt wird, leblose Körper, in denen Dämonen hausen.“
Und an anderer Stelle fügt er hinzu: „Karma, selbst das gute, führt zur Wiedergeburt und verlängert die Wanderung der vermeintlichen individuellen Wesenheit. Wenn das gute Karma sich in freudvollen Konsequenzen ausgewirkt hat, ist das ‚Individuum’ ebenso weit vom Verständnis des Einen Geistes entfernt wie zuvor.“
Sie sehen also, Karma hat mit Denken und Dualität zu tun. Die Übung des Zen ist ein Beenden des unaufhörlichen Flusses von Gedanken und Bildern.

Diop: Aber was ist, wenn dieser unaufhörliche Fluss von Gedanken und Bildern beendet ist?

WW: Huang-po sagt: „Wenn jede Art von Denkvorgang zum Stillstand gebracht ist, wird auch nicht mehr die geringste Spur von Karma geschaffen. Dann werden euer Geist und Körper schon in diesem Leben zu einem vollkommen befreiten Wesen gehören. Sollte dies nicht schon zur unmittelbaren Befreiung von weiteren Wiedergeburten führen, so könnt ihr zumindest versichert sein, dass die Wiedergeburt euren Wünschen entspricht. Würdet ihr jetzt üben, eure Gedanken zu jeder Zeit ruhen zu lassen, sei es beim Gehen, Sitzen oder Liegen, und euch vollkommen auf das Ziel konzentrieren, keine Gedanken, keine Dualität zu schaffen, euch nicht auf andere zu verlassen, an nichts zu haften, einfach den Dingen den ganzen Tag hindurch ihren Lauf zu lassen, als wäret ihr zu krank, euch um sie zu kümmern, der Welt unbekannt zu sein, von dem Wunsch unberührt zu sein, anderen bekannt oder unbekannt zu sein, mit einem Bewusstsein wie Steinblöcke, die keine Löcher flicken - dann würden alle Dharmas euer Verständnis ganz durchdringen. Nach einiger Zeit wäret ihr an nichts mehr gebunden. Ihr würdet nun zum ersten Mal in eurem Leben entdecken, dass eure Reaktionen den Erscheinungen gegenüber abnehmen, und ihr würdet endlich die dreifache Welt überschreiten. Dann würden die Menschen sagen, ein Buddha sei in der Welt erschienen.“

Diop: Über Karma und Wiedergeburt spuken, so glaube ich, viele Ideen und Theorien in unseren Köpfen herum. Manche behaupten, dass der Geist niemals aufhört zu existieren, obwohl der Körper stirbt. Oder, dass der Geist nur zeitweise in unserem Körper existiert und dass sich im Tod der Geist vom Körper trennt und an einem anderen Ort weiterlebt.

WW: Das ist Unwissen. Gerade eine solche Sichtweise ist es, die den Kreislauf von Leben und Tod fortsetzt. Wenn wir denken, dass unser Geist ewig ist, sollten wir erkennen, dass es eben dieser Geist ist, den wir in diesem Augenblick benützen, der uns an den Kreislauf von Leben und Tod bindet. Das ist dumm. Wir dürfen uns nicht in den Schlingpflanzen unseres Denkens verheddern und denken, dass es gut wäre, aus dem Kreislauf von Leben und Tod herauszukommen. Unser ursprünglicher Geist schließt das ganze Wesen der Erscheinungen ein. Er lässt sich nicht unterteilen in Leben und Tod, Körper und Geist usw. Jede Unterscheidung ist nur das Produkt unseres diskursiven Denkens. Wir sollten uns nichts vormachen. Das Gesetz des Karma hat keine wirkliche Existenz und trotzdem ist es stets gegenwärtig. Aber mit dem Denken werden wir es nie erfassen.

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