Shoyoroku
Von Wolfgang Walter, E'un-Ken (Wolke der Weisheit)

Shoyoroku Nr. 34


Leben und Tod überwunden

WW: In Wirklichkeit muss nichts miteinander verbunden werden, denn alles ist, so wie es ist, perfekt. Das gleiche wollte auch Fuketsu ausdrücken, als er seine Schüler lehrte und sagte: „Wenn man ein Staubkörnchen aufrichtet, so kommt die Nation zur Blüte. Wenn man kein Staubkörnchen aufrichtet, so geht die Nation zugrunde.“

Diop: Was bedeutet das?

WW: Fuketsu will damit ausdrücken, dass wir uns weder von Subjekt noch von Objekt fesseln lassen sollen. Wenn Leerheit und Form integriert sind, wird das ganze Universum aufblühen. Ohne diese Verwirklichung gehen wir zugrunde.

Diop: Aber wie kann das ein Mensch verwirklichen?

WW: Ich möchte darauf mit einem sehr wenig bekannten Beispiel von Fuketsu antworten. Ein Mönch fragte einmal Fuketsu: „Wie geht es zu, dass einer, der nicht versteht, nie einen Zweifel hegt?“ Fuketsu antwortete: „Wenn eine Schildkröte über weichen Grund geht, ist es unvermeidlich, dass sie Spuren hinterlässt.“ So einfach ist das.

Diop: Sie meinen, die Schildkröte hinterlässt Spuren im weichen Sand und nichts weiter?

WW: Genau. So einfach ist das. Huang-po, der Meister von Rinzai, hat es einmal so ausgedrückt: „Gewöhnliche Menschen ergreifen Objekte. Menschen des Weges ergreifen den Geist. Wenn Geist und Objekt beide vergessen sind, ist es zum ersten Mal der wahre Dharma. Die Objekte zu vergessen ist relativ einfach. Den Geist zu vergessen ist sehr schwer.“
Dieses sich sowohl an das eine oder an das andere zu binden, betrachte ich als die wirkliche Krankheit der Übenden. Rinzai sagte einmal zu seinen Schülern: „Manchmal nehme ich das Subjekt weg, aber nicht die Objekte. Manchmal nehme ich die Objekte weg, aber nicht das Subjekt. Manchmal nehme ich sowohl Subjekt als auch Objekt weg. Manchmal nehme ich weder Subjekt noch Objekt weg.“ Da fragte ihn ein Mönch: „Was bedeutet es, das Subjekt wegzunehmen, aber nicht das Objekt?“ Rinzai sagte: „Die warme Frühlingssonne lässt die Blumen der Erde erblühen wie ein Teppich aus Brokat.“
Rinzai und Fuketsu geht es nur darum, die Krankheit unseres Geistes zu heilen. Der einzige Weg in diese Befreiung ist, an nichts zu haften, was auch immer vor meinen Augen erscheint.

Diop: Was hat Fuketsu mit Rinzai zu tun?

WW: Fuketsu war der vierte Patriarch in der Rinzai-Linie.

Diop: Wie kam Fuketsu mit Zen in Berührung?

WW: In seiner Jugend studierte Fuketsu den konfuzianischen Glauben. Ursprünglich wollte er Beamter werden, aber als er sein Examen nicht bestand, ging er ins Kloster. Mit ungefähr fünfundzwanzig Jahren kam er zu Meister Kyosho. Aber die Zeit für seinen Durchbruch war noch nicht gekommen. So machte er sich auf und ging zu Meister Nanin, dessen Nachfolger er später wurde und vielen Schülern den Weg des Zen lehrte.

Diop: Wenn ich es richtig verstehe, geht es im Zen immer darum: Wie kann ich ein freies Leben führen, das weder der Unterscheidung noch den Phänomenen unterliegt?

WW: Das ist richtig. Und darauf will auch Fuketsu hinaus, wenn er sagt: „Wenn man ein Staubkörnchen aufrichtet, so kommt die Nation zur Blüte. Wenn man kein Staubkörnchen aufrichtet, so geht die Nation zugrunde.“
Ein Staubkörnchen, kein Staubkörnchen, aufrichten oder nicht aufrichten, das ist die Welt der Unterscheidung, die Welt der Getrenntheit.

Diop: Ist die Welt des Zen eine metaphysische Welt?

WW: Ganz und gar nicht. Betrachten Sie das Unkrautjäten im Garten als etwas Metaphysisches?

Diop: Nein.

WW: Es geht im Zen immer nur darum, sich an nichts zu binden, weder an Subjekte noch an Objekte und um das sich-selbst-Vergessen in diesem Unkrautjäten. Dann wird unser Leben eine sehr dynamische Kraft entwickeln. Das Unkraut steht dann nicht mehr zur Debatte. Auf diese Weise wird unser Leben frei von Anstrengung sein und kein Staubkörnchen kann diesen Frieden mehr stören.

Diop: Was sagten eigentlich die Mönche auf die Bemerkung Fuketsus?

WW: Es ist nicht überliefert, dass sie etwas gesagt hätten. Aber Meister Setcho gibt später einen Kommentar dazu ab.

Diop: Und was sagt er?

WW: Setcho hielt seinen Stab hoch und sagte: „Gibt es keinen Mönch, der mit mir lebt und stirbt?“

Diop: Was will Setcho damit ausdrücken?

WW: Setcho präsentiert die lebendige Dynamik. Er zeigt den Mönchen seinen Stab, die phänomenale Welt. Gleichzeitig präsentiert er ihnen die Dynamik der Wesenswelt. Beides kann nur gemeinsam geschehen, es lebt und stirbt gemeinsam. „Gibt es keinen Mönch, der mit mir lebt und stirbt?“ heißt auch: Gibt es einen, der das begreift und das erfahren hat? Gibt es einen, der Leben und Tod überwunden hat? Setcho präsentiert auf vollkommene Weise diese Wirklichkeit, die uns so nahe ist wie das Unkrautjäten oder die Arbeit am Computer. Er verweist auf eine Welt der Objekte, in der die Objekte verschwunden sind und damit auch alle Unterschiede. Er hält einfach nur den Stab hoch. Das ist es, nichts weiter. Subjekt und Objekt verschwinden in diesem Tun. Sie sind einfach das, was sie sind.

Diop: Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe große Ehrfurcht vor diesen Meistern.

WW: Das muss nicht sein. Ich frage Sie: Was haben denn diese Meister, das Sie nicht haben?

Diop: Sie meinen, ich muss keine Ehrfurcht haben?

WW: Nein. Trotzdem ist es wichtig, dem Meister in gebührender Haltung entgegenzutreten.

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