Shoyoroku
Von Wolfgang Walter, E'un-Ken (Wolke der Weisheit)

Shoyoroku Nr. 24


Eins mit dem Universum

WW: Wer Leib und Leben verliert, erfährt seine Wesensnatur. Darum geht es im folgenden Koan. Seppo lehrte einmal die Versammlung und sagte: „Am Südhang des Berges gibt es eine giftige Schlange. Ihr alle solltet sie euch genau anschauen.“ Er meint, im Universum gibt es die Wesensnatur. Das bin ich.

Diop: Können Sie mir etwas erzählen über diesen Seppo?

WW: Seppo war einer der großen chinesischen Zen-Meister. Er war Schüler von Tokusan, aber er hat sehr lange gebraucht, in die Ur-Wirklichkeit einzudringen.

Diop: Was meint Seppo in diesem Koan mit der giftigen Schlange?

WW: Die giftige Schlange ist unsere Wesensnatur. Von ihr gebissen zu werden bedeutet nichts anderes, als in das große Geheimnis eingedrungen zu sein.

Diop: Und wie ist daraufhin die Reaktion seiner Schüler?

WW: Chokei stand auf und sagte: „In der Zenhalle heute ist ein bedeutender Mann; er hat Leib und Leben verloren.“

Diop: Was will Chokei damit ausdrücken?

WW: Chokei meint natürlich sich selbst. Er will damit sagen: Ich habe die Ur-Wirklichkeit erfahren und Leib und Leben verloren.

Diop: Ist das nicht überheblich, wenn er so etwas sagt?

WW: Nein. Er ist nur ehrlich.

Diop: Wie geht die Geschichte weiter?

WW: Ein Mönch erzählte Gensha davon. Gensha ist ein Schüler Seppos und war später auch ein bedeutender Zen-Meister.

Diop: Wissen sie, wie dieser Gensha zum Zen kam?

WW: Gensha war die ersten drei Jahrzehnte seines Lebens Fischer. Vor seinen Augen fiel beim Fischen sein Vater ins Wasser und er musste mitansehen, wie er ertrank. Dieses Erlebnis hat sein Leben total verändert und so entschloss er sich, den Weg des Zen zu gehen.

Diop: Und was sagte Gensha?

WW: Gensha sagte: „So etwas kann nur Bruder Ryo, gemeint ist Chokei, sagen. Ich würde jedoch nicht so reden.“

Diop: Was meint er damit, wenn er sagt: „Ich würde jedoch nicht so reden?“

WW: Er will damit ausdrücken: Ich bin Gensha und Chokei ist Chokei.

Diop: Gensha betont also die Unterschiedenheit zwischen sich und Chokei?

WW: Auf den ersten Blick mag das so aussehen. Aber weit gefehlt! Gensha spricht zwar von sich und dem anderen, aber in Wirklichkeit spricht er die Einheit in der Unterschiedenheit an. Da sind zwar zwei, aber die zwei sind in Wirklichkeit eins.

Diop: Was entgegnete der Mönch?

WW: Der Mönch sagte: „Was würdet Ihr dann sagen?“ Meister Gensha sagte: „Warum muss es ausgerechnet ‘der Südhang des Berges’ sein?“ Anders gesagt: Warum nicht du selber?

Diop: Wie ist das gemeint?

WW: Gensha will damit zum Ausdruck bringen, dass überall giftige Schlangen sind, dass die Wesensnatur nicht eingegrenzt werden kann auf einen Ort, sondern dass sie ist überall zu finden ist, an allen Orten und in allen Menschen. Er will sagen: Wir alle sind giftige Schlangen.

Diop: Trifft das auch für Mörder zu?

WW: Ja natürlich. Niemand ist ausgeschlossen. Der Unterschied ist lediglich: Der eine hat sie verwirklicht und der andere nicht, bei dem einen tritt sie hell strahlend ans Tageslicht und der andere hat sie verdunkelt und überlagert.

Diop: Ist das Koan hier zu Ende?

WW: Nein. Ummon, der ebenfalls anwesend war, warf seinen Stab vor Seppo hin und machte eine erschrockene Gebärde.

Diop: Das verstehe ich nicht.

WW: Ummon wirft den Stab hin wie jemand, der bemerkt, eine giftige Schlange in der Hand zu halten und furchtbar erschrocken ist. Ummon spielt aber nicht Theater. Ich bin die Giftschlange, will er sagen und ich bin erschrocken. Ich bin eins. Er präsentiert hier auf geniale Weise seine Wesensnatur: Stock ist nicht Stock, Schlange ist nicht Schlange. Es ist dieses Hinwerfen, dieser Augenblick, dieses Erschrockensein. Da zeigt sich diese Urwirklichkeit in aller Offenheit.

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