Augenblicke

Augenblicke Nr. 6


Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus

Die Essenz unseres eigentliches Seins, unsere ursprüngliche Natur, ist reines Bewusstsein, unendlicher leerer Raum. Wir können das zwar wahrnehmen, aber sehen können wir es nicht, so wenig, wie wir den Baum in der Kastanie nicht sehen können. Das Potential muss in uns heranwachsen und alles Nötige ist dazu vorhanden. Doch es braucht Bedingungen, die das Wachstum ermöglichen, das Sitzen in der Stille, ganzheitlich mit Körper und Geist im gegenwärtigen Augenblick, ohne dass wir diesem etwas hinzufügen. Unser Ich-Bewusstsein muss gleichsam einschlafen. Während dieses Prozesses verliert jegliches intellektuelle, verbale Erfassen seine Bedeutung. Was bleibt, ist der nackte Augenblick, ein Bewusstsein, das dem eines Babys sehr nahe kommt. Zazen, das meditative Sitzen, ist der Boden, aus dem die Erkenntnis wächst, wer ich wirklich bin. Dabei sollten wir alle Konzepte, die wir über Zen und Meditation mit uns herumtragen, fallen lassen. Die Schwierigkeit besteht darin, dass wir uns selbst aushalten müssen, mit allen Gefühlen und Emotionen, allen Frustrationen und Ängsten.

Shakyamuni Buddha hat gesagt: „Alle Lebewesen haben voll und ganz die Wesensnatur.“ Das bedeutet, es fehlt uns nichts, nicht das geringste. Jetzt, in diesem Augenblick verschmilzt das Innen und das Außen und es tritt die Existenz des Großen Einen hervor. Dieses große Eine durchdringt vollständig unsere ganze Existenz. Wir leben dann ein Leben jenseits der Gegensätze von Leben und Tod. Das ist die Erfahrung, die 2500 Jahre lang gemacht wurde und immer wieder gemacht wird und bis zum heutigen Tag von Generation zu Generation bestätigt wird.

Die Trennung des Menschen in Körper und Geist ist eine falsche Sichtweise. Unsere eigentliche Existenz umfasst nicht verschiedene Ebenen, wie sie in der Psychologie oft dargestellt werden, sondern immer und zu jeder Zeit das Ganze. Das bedeutet:

  • Wir sind nicht neu entstanden, wir sind uns nur unserer augenblicklichen Existenz bewusst geworden.
  • Wir sind gleichsam dieser Prozess, der da wahrgenommen wird.
  • Wir sind nicht das Ich, sondern das, was dieses Ich möglich macht.
  • Wir sind der Urgrund allen Seins, aus dem heraus die ganze Welt entstanden ist, jenseits von Sein und Nichtsein, jenseits aller Grenzen und Beschränkungen, die nur ein Ich entstehen lässt.

Oder anders ausgedrückt: Nur ein Ich kann leiden, nur ein Ich kann sterben. Das Potential dieses ungeheueren Bewusstseinsraumes wirkt über alle Zeiten hinweg, denn es ist jenseits von Zeit und Raum. Der 6. Patriarch Hui-Neng lehrte seine Schüler mit den Worten: „Die Buddhanatur dauert nicht an. Nur der denkende Geist, der alle Dinge in gut und schlecht unterteilt, dauert an“. Jeder von uns hat ja schon Bekanntschaft mit dem Kommentator gemacht.

Viele Menschen verstehen jedoch den Begriff Buddha-Natur falsch. Sie sind der Ansicht, das Ich hätte einen festen Wesenskern. Sie meinen, unser tiefstes Sein hätte etwas zu tun mit Geist, Wille oder individuellem Bewusstsein. Sie glauben, ES wissen oder verstehen zu können. Doch dieser unendlich leere Bewusstseinsraum, unsere Wesensnatur, ist jenseits von Verstehen und selbst erleuchtete Menschen können darüber nichts aussagen. Sie sind wie Stumme, die einen Traum erzählen möchten. Es geht nicht. Das, was wir sind, ist ein leerer Prozess, und gleichzeitig ein ungeheueres Potential, das jederzeit durch uns in Erscheinung tritt. Letztendlich geht es um eine Welt, die nicht mehr von einem Ich erkannt werden kann. Dann ist auch unser Karma zu Ende, denn Karma ist nur in einer dualistischen und persönlichen Welt möglich. Dann liegt alles offen vor uns und wir erleben unser Sein nicht mehr als entstandenes Sein, sondern als etwas Anfangloses und Endloses. Meister Bankei bezeichnet es als das Ungeborene. Jede Beschreibung dessen kann also nur unvollständig sein, denn unsere Sprache ist eine Ich-Sprache und keine Sein-Sprache. In der Poesie wird diese Sein-Sprache jedoch manchmal berührt. „Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus“. (Joseph von Eichendorff)

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