Augenblicke

Augenblicke Nr. 7


Irrtümer

Um in die Erfahrung des Großen Ganzen zu kommen, ist Aufmerksamkeit notwendig. Doch das Wort Aufmerksamkeit ist bereits falsch, denn es impliziert, dass ich mein Bewusstsein auf etwas ausrichten muss. „Ich bin aufmerksam auf etwas, ich passe auf etwas auf.“ Das hat mit Ich zu tun und mit einem Objekt, das ich beobachte, wie beispielsweise den Atem oder das Mu. Für wesentlich besser halte ich das Wort Gewahrsein.

Gewahrsein geschieht ohne Ich. Gewahrsein will nichts und macht nichts. Gewahrsein hat nichts mit Kontrolle zu tun. Es geschieht absichtslos, ohne Verlangen, das Richtige zu tun. Gewahrsein geschieht spontan in diesem Augenblick, ohne es zu analysieren oder in Kategorien einzuordnen. Dann wird Leben einfach das, was sich ständig prozesshaft verändert.

Auch das Wort Augenblick ist im Grunde verkehrt. Ein Augenblick ist ein Moment, den ich eingefroren habe. Dieser Schritt, dieser Schritt…, oder dieser Atemzug, dieser Atemzug. Wenn wir unser Leben jedoch genau betrachten, erleben wir, dass es nicht aus einzelnen Augenblicken besteht, wie eine Staccato-Wirklichkeit, sondern ein prozesshaftes Wirken ist, wobei ich nicht einmal sagen kann, wann dieser Gedanke entstanden und wieder vergangen ist. Nur im Nachhinein kann ich feststellen, dass etwas Neues an seine Stelle getreten und das Alte vorüber ist. Auch das Wort Entwicklung ist in diesem Zusammenhang falsch, denn ich kann Entwicklung ebenfalls nur aus der Vergangenheit heraus feststellen. Im Grunde entwickeln wir uns nicht, wir sind reines Sein ohne Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. „Leben im Hier und Jetzt“ ist vom Absoluten her gesehen ebenfalls falsch, denn Hier bezieht sich auf Raum und Jetzt impliziert die Zeit. Aber die wirkliche Wirklichkeit ist jenseits davon.

Wir können nichts auf Dauer festhalten. Alles verflüchtigt sich, löst sich auf und etwas Neues tritt an seine Stelle. Das ist das, was wir Leben nennen. Gewahrsein ist also nichts anderes, als die Erfahrung, präsent zu sein, ohne es zu beabsichtigen und ohne jemanden im Hintergrund, der Anweisungen gibt oder einfach nur „Zeuge“ ist, der auch sehr oft zitiert wird. Manch einer spricht sogar vom Zeugen-Bewusstsein. Gewahrsein geschieht also immer unmittelbar, ohne Zeitgefühl, ohne Absicht und ohne irgendetwas vermeiden zu wollen. Gewahrsein kümmert sich um sich selbst und ist sich selbst genug.

Gewahrsein ist die Abwesenheit von Konzentration auf etwas Bestimmtes. Je mehr wir jedoch diesen Zustand erreichen wollen, umso weiter entfernen wir uns davon. „Je mehr du dich dem Weg zuwendest, desto mehr wendest du dich von ihm ab“, sagt Nansen im Mumonkan. Erst, wenn wir aufhören uns anzustrengen, geschieht dieses einfache Gewahrsein. Es tritt in Erscheinung wie eine Spürwolke mitten im Raum, ohne Bewertung oder Benennung dessen, was ist und wo es ist.

Je genauer, intensiver und anstrengungsloser wir in uns hineinspüren, desto mehr bemerken wir, dass die Dinge einfach geschehen, einfach stattfinden. Dieses Geschehen geschieht in einer offenen und grenzenlosen Weite, einer Raumlosigkeit, die sich mit nichts vergleichen lässt. Plötzlich ist das Ich in den Hintergrund getreten und alles geschieht uns, widerfährt uns. In solchen Augenblicken sind wir nicht mehr in der Lage, das zu benennen, was uns geschieht. Die Gewohnheit, wie wir die Dinge sehen, ist einfach weggefallen. Wenn wir es mit Worten beschreiben wollten, könnten wir es vielleicht so ausdrücken: „Ich bin das Beobachtete“ oder „Ich und das, was ich wahrnehme, sind nicht mehr zwei.“ In solchen Augenblicken tun wir uns nicht mehr leid, weil alles Leid verschwunden ist. Nur wenn wir in uns festgefahren sind oder etwas versuchen festzuhalten, wird das Negative in uns aktiviert. Wir Menschen sind ein Durchlauf-System. Alles, was wir an Nahrung aufgenommen haben, müssen wir wieder ausscheiden, sonst vergiftet es uns. Dazwischen findet die Verdauung statt. Ein schönes Gleichnis für Meditation: Wir nehmen auf, was geschieht und lassen es wieder los. Machen wir uns daran fest, also zum Beispiel an Gefühlen, Erinnerungen oder Gedanken, vergiften sie uns und im gleichen Augenblick beginnt unser Ich zu leiden. Wenn wir jedoch mit all dem, was ist, in Kontakt kommen, öffnet sich gleichsam ein Raum.

Wir können dieses Öffnen nicht machen. Warum? Weil wir bereits offen sind. Offen sein ist ganz einfach. Sich verschließen dagegen ist schwer. Ich muss mein Bewusstsein also nicht öffnen, es ist offen. Wenn wir uns also öffnen wollen, haben wir bereits wieder ein Problem. Wenn Gewahrsein stattfindet, sehen wir, dass da niemand ist, der etwas hat oder loswerden müsste. Es geschieht völlig anstrengungslos. Da ist nur ein Wahrnehmen in einer grenzenlosen Offenheit. Alles geschieht einfach und selbst der Beobachter ist verschwunden. Das Einschlafen des Ich-Bewusstseins ist geschehen. Vollkommen zwanglos, ohne sogenannte Übung. Deswegen sage ich oft: Unsere Übung muss zu einer Nicht-Übung werden. Üben bedeutet immer zielgerichtet auf etwas hinarbeiten. Das trifft für den ersten Teil unseres Lebens zu und ist vollkommen richtig. Aber um das Leben, wie es ist, zu erfahren, ist es nicht mehr nötig.

In diesem Gewahrsein sagt uns niemand mehr, wie die Dinge sein sollten. Hier befinden wir uns in unserem ungeheueren Potential, einem gewaltigen Whirlpool an Kreativität. In diesem Bewusstseinsraum geschehen alle Erfahrungen und Erkenntnisse.

Was uns von dieser Offenheit trennt, sind die Vorstellungen über mich und die Welt. Etwas stellt sich vor mich und versperrt mir die Sicht. Darin sind wir wahre Meister. Ständig erzählen wir uns Geschichten, die uns in Angst und Schrecken versetzen. Doch um uns herum hat sich nichts verändert. Alles ist in Ordnung. Unser Gehirn jedoch interpretiert diese Geschichten, wie wenn es Wirklichkeit wäre. Denn unser Gehirn unterscheidet nicht zwischen Außen und Innen. Dadurch entsteht in uns ein Gefühl der Verletzung dieses inneren Raumes, was wiederum eine Menge innerer Reaktionen hervorruft und einem Hamsterrad vergleichbar ist. Doch in Wirklichkeit ist nichts passiert. Es geht uns gut. Wir waren nur mal wieder im Kino unserer Gedankenwelt. Und so träumt dieses scheinbare Individuum einen Lebenstraum und meint, es wäre Wirklichkeit. Buddha hat gesagt: „Das Leben fliegt rasch dahin. Jeder muss aus seinem Traum erwachen. Der Augenblick kennt kein Verweilen. Seid daher achtsam, niemals nachlässig und niemals schwach.“

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