Augenblicke

Augenblicke Nr. 4


Teil 2: Das was wir wirklich sind, ist wie der leere Himmel

Diop: Sie haben in unserem letzten Gespräch von einem Raum gesprochen, in dem alles geschieht. Meinten Sie damit das, was wir unter Wirklichkeit verstehen?

WW: Ja. Aber es ist immer ein gewagtes Unternehmen, über diesen Raum zu sprechen, weil sich im Grunde darüber nichts aussagen lässt und Worte da nicht hinreichen. Man ist nicht in der Lage, ihn verstandesmäßig zu definieren, man kann ihn nur erfahren.

Diop: Und wenn Sie es trotzdem versuchen würden?

WW: Dieser Raum ist bedeutungsneutral, allumfassend und leer. Obwohl er im Zen oft als Leerheit bezeichnet wird, ist es nicht so, als wäre darin nichts. Das Gegenteil ist der Fall. Es ist der Bereich, der alle Möglichkeiten enthält, in dem auch das Unmögliche möglich ist und in dem unser Leben geschieht. Vielleicht müsste man besser sagen: In dem das Leben uns widerfährt. Dieser Raum hat keine Eigenschaften und Merkmale, er ist nicht grün oder rot, weder gut noch böse, hat weder Anfang noch Ende. Er ist offen, frei und unbegrenzt. Auch kennt der Raum kein Innen und Außen. Er ist einfach weite Offenheit.

Diop: Und in diesem Raum bewege ich mich?

WW: In diesem Raum geschehen Sie. Hier finden Ihre Gefühle statt, geschehen die Gedanken, tritt alles in Erscheinung. Er macht es möglich, mich zu bewegen, mich mit Ihnen zu unterhalten, zu hören, zu leben. Ohne Raum wäre kein Leben möglich.

Diop: Aber den meisten Menschen ist dies überhaupt nicht bewusst.

WW: Das ist richtig. Sie machen sich nur an den Objekten fest, die in diesem Raum wie Blitzlichter auftauchen und dann wieder verschwinden. Auch unsere Gefühle und Gedanken brauchen Raum, um in Erscheinung zu treten. In diesen Raum hinein können wir uns verlieren, wenn wir meditieren. Hier gibt es keine Zeit, ja nicht einmal den Raum, von dem ich spreche. Dieses Erkennen, sagt Meister Eckhart, ist ohne Zeit und Raum. Doch solange der Mensch Zeit und Raum hat, ist ihm Gott fern und fremd.

Diop: Gibt es auch heutzutage Menschen, die von diesem Raum sprechen?

WW: Natürlich. Die Quantenphysik ist ganz nahe dran. Sie spricht von einer ungeheueren Potentialität, die dieser Raum beinhaltet und in dem alles mit allem verbunden ist. Sie bezeichnen diesen Raum als gigantischen Quantencomputer und Informationsspeicher. Sie sprechen von einem kosmischen Netzwerk, in dem alles aufeinander bezogen und ineinander verwoben ist. Man weiß heute, dass nichts geschieht, ohne dass irgendetwas im Universum darauf reagiert. Ervin Laszlo, ein ungarischer Wissenschaftsphilosoph, hat gesagt, dass das aktuelle Modell des Universums nicht aus Materie und Raum besteht, sondern aus Energie und Information. Hirnforscher haben herausgefunden, dass das neuronale Netzwerk einer Maus einer vielen Lichtjahre entfernten Region im Universum auf verblüffende Weise sehr ähnlich ist. Sie sehen also, wie man sich von ganz verschiedenen Richtungen diesem Bereich nähert. Man erkennt, dass Bewusstsein mehr ist, als nur ein elektrochemischer Prozess im Gehirn und dass Bewusstsein über Zeit und Raum hinaus arbeitet.

Diop: Könnte man diesen Raum dann auch als Bewusstsein bezeichnen?

WW: Ja. Bewusstsein ist nur ein anderes Wort für diesen Raum. Vielleicht sollte man eher von Bewusstseinsraum sprechen, einem raumlosen Hintergrund, in dem das Erleben stattfindet.

Diop: Dann könnte man diesen Raum auch Geist nennen?

WW: Ja natürlich. Es gibt viele Worte dafür. Himmel, Nirvana, Wesensgrund, das Ungeborene, Gott usw. Dies alles sind nur Worte, mit denen der Mensch versucht, das Unfassbare fassbar zu machen.

Diop: Von dieser Seite habe ich es noch gar nicht gesehen.

WW: Wirklichkeit hat viele Aspekte und alle wollen gelebt sein. Letztendlich ist alles, was geschieht, Ausdruck dieses Mysteriums. Das, was wir Gott nennen, vollzieht sich als Geschehen und der erlebte Augenblick ist das, was uns in diesen Bereich führt.

Diop: Und was sagen die alten Meister zu diesem Raum?

WW: Es gibt viele Hinweise. Sozan, ein Zen-Meister, sagt, das, was wir wirklich sind, ist wie der leere Himmel. Bodhidharma antwortet dem chinesischen Kaiser auf die Frage nach der letzten Wirklichkeit: Weit und leer, keine Heiligkeit. Meister Sekiso sagt in einem Koan, dass, auch wenn einer auf einem hundert Fuß hohen Mast sitzend Erleuchtung gefunden hat, er von der Spitze des Mastes aus vorwärts gehen muss.

Diop: Könnte man vielleicht sagen, Wirklichkeit ist das, was wirkt?

WW: Ja. Man muss sich nicht über die Sprache streiten. Sprache kann immer nur deuten. Aber im Erleben geschieht etwas, das ich mit der Sprache nicht mehr fassen kann.

Diop: Ist dieser Raum jedem zugänglich?

WW: Ja natürlich. Wir alle leben in diesem Raum. Das Problem ist nur, dass wir immer Innen und Außen unterschieden. Fällt diese Trennung weg, sind wir frei. Erleuchtung ist nicht ein zukünftiger Zustand, sondern ein Jetzt-Zustand. Nur hier ist Leben überhaupt möglich. Die Vergangenheit ist vorbei und die Zukunft hat noch nicht begonnen. Wir haben nur das Jetzt. Oder anders ausgedrückt: Die Zukunft hat schon längst begonnen.

Diop: Vielen Dank. Ich freue mich schon auf unser nächstes Gespräch.

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