Augenblicke

Augenblicke Nr. 3


Teil 1: Das Leben selbst ist jenseits aller Kategorien

Diop: Seit beinahe zwei Jahren sind Sie dabei, den Zen-Weg zu entkrampfen und ihn völlig neu zu prägen. Was hat Sie dazu bewogen?

WW: Das hat viele Gründe. Der Wichtigste ist vielleicht, dass Zen traditionell immer mit sehr viel Konzentration arbeitet, Konzentration auf den Atem, Konzentration auf Mu, Konzentration auf das Koan. Dies alles führt oftmals zu Frustration und am Ende glaubt man, für Meditation nicht geeignet zu sein. Nicht umsonst ist Zen in Japan ausgestorben. Ich habe den Eindruck, dass man Erleuchtung auf Teufel komm raus erreichen will. Dabei ist genau dieses Erreichen-Wollen der Grund dafür, dass man keine Erfahrungen macht. Konzentration ist Teufelswerk, hat Meister Mumon Ekai in seinen ‚Zen-Warnungen’ gesagt.

Diop: Aber sind Sie nicht selbst diesen harten Weg gegangen?

WW: Das ist richtig. Aber im Rückblick kamen die wesentlichen Erfahrungen immer dann, wenn ich mich innerlich entspannt habe und ganz locker wurde. Und: Es geschah oft draußen in der Natur. Vielleicht hat man vergessen, dass Buddha seine große Erfahrung nicht in einem sterilen Zendo gemacht hat, sondern draußen unter einem Baum. Gerade bin ich von einem Sesshin zurückgekommen und alle Teilnehmer haben mir gesagt, dass Meditation im Freien viel leichter ist. Es ist kein Problem mehr, da zu sein, im Augenblick zu sein. Die Natur ist unser größter Lehrer. Da reicht auch der größte Zen-Meister nicht hin. Aus diesem Grund sitzen wir während eines Sesshins auch viel im Freien, wenn es das Wetter erlaubt.

Diop: Aber geht dabei die Essenz des Zen nicht verloren?

WW: Ganz im Gegenteil. Ich meine, wir müssen Begriffe wie Zen, Meditation oder Kontemplation völlig vergessen, denn im Grunde sind dies auch nur Konzepte, die verhindern, dass wir in die ungeteilte Welt durchbrechen.

Diop: Wenn ich Sie richtig verstehe, stellen Sie nicht die Zen-Tradition der alten Meister in Frage, sondern die heutige Praxis der Vermittlung.

WW: Das ist richtig. Ich habe mich oft gefragt, warum nur so wenige Menschen wirklich tiefe Erfahrungen machen. Das Ergebnis war: Sie strengen sich alle wahnsinnig an. Da gibt es die Anweisung: Werde eins mit dem Atem, konzentriere dich auf den Atem, zähle den Atem von 1-10. Doch spätestens nach dem vierten Atemzug ist man in Gedanken schon wieder anderswo. Man macht sich Vorwürfe und konzentriert sich noch mehr und bemerkt nicht, wie das Ich sich bemüht, irgendwohin zu kommen, von dem man nicht weiß, was es ist und wie es ist.

Diop: Und wie ist ES?

WW: Es ist wie leerer Raum, in dem alles geschieht. Hier lebt sich das Leben alleine und irgendetwas erlebt dieses Erleben. Dieses Erleben ist jedoch nicht mehr auf eine Person im Hintergrund bezogen, auf Raum oder Zeit. Es lebt sich selbst und es ist wunderbar. Doch wenn man versucht, es innerlich zu beschreiben, entzieht es sich mir wie ein scheues Reh. In diesem Bereich gibt es keine Anstrengung mehr, nur noch Sein.

Diop: Dazu ist es wichtig, loszulassen.

WW: Ich muss mir jedoch im Klaren sein, dass ich nur das loslassen kann, was ich in mir erkenne. Erst wenn ich die Angst erkenne, kann ich sie loslassen. Erst wenn ich den Gedanken erkannt habe, bin ich überhaupt erst in der Lage, ihn loszulassen. Die eigentliche Frage ist aber: Wer ist das, der loslässt? Loslassen bezieht sich immer auf ein Ich im Hintergrund.

Diop: Was soll ich also tun?

WW: Nichts. Lassen Sie ihr Ich einfach einschlafen. Einschlafen geschieht von selbst. Das ist ganz einfach. Wer jedoch einschlafen will, wird nicht einschlafen. Sie haben das sicher schon erlebt. Sie gehen früh ins Bett, weil Sie am nächsten Tag zeitig aufstehen müssen. Und Sie können einfach nicht einschlafen.

Diop: Ja. Man liegt stundenlang wach und ärgert sich, weil man nicht schlafen kann.

WW: So ist es. Wenn jedoch der Zwang wegfällt, einschlafen zu wollen, geschieht es von alleine. Meditation ist im Grunde ein sanftes Einschlafen des Ich-Bewusstseins. Wir machen uns nirgends fest und lassen alle Gedanken, Gefühle und Bilder vorüberziehen. So gleitet unser Bewusstsein von ganz allein in den Bereich hinein, in dem die Worte in uns aufhören zu sprechen. Das Gehirn braucht Freiräume, um Lösungen zu finden, sagt die Hirnforschung. Ein entspannter Geist findet schneller Lösungen. Eigentlich müssen wir uns nur erinnern, wer wir wirklich sind. Sie kennen das doch: Sie gehen in ein Zimmer, um etwas zu holen und plötzlich haben Sie vergessen, was Sie wollten.

Diop: Ja, diese Situation kenne ich auch.

WW: Was tun Sie? Bleiben Sie im Zimmer und überlegen Sie, was Sie holen wollten?

Diop: Nein. Ich gehe und mache etwas anderes.

WW: Und plötzlich fällt es Ihnen wieder ein.

Diop: Genauso ist es.

WW: Das ist Meditation. Sie vergessen Erleuchtung, sie vergessen Meditation, Sie vergessen den Grund, warum Sie meditieren und schauen einfach Ihrem Lebendigsein zu. Und plötzlich geschieht es.

Diop: Das klingt ganz einfach.

WW: So einfach ist es auch. Wir sind es, die so kompliziert geworden sind und alles in intellektuelle Schubladen packen. Das Leben selbst ist einfach. Darin gibt es nichts zu lösen. Was wir als positiv oder negativ betrachten ist nur unser Verstand mit seinen Konditionierungen. Das Leben selbst ist jenseits aller Kategorien. Es wirkt einfach. Das ist Wirklichkeit.

Diop: Vielen Dank, jetzt verstehe ich die Worte des alten Zen-Meisters Foyan: »Wer die Zen-Erleuchtung verwirklicht, transzendiert Subjekt und Objekt. Darüber hinaus gibt es kein Geheimprinzip«.

Eine Fortsetzung des Gesprächs können Sie in den nächsten „Augenblicken“ lesen.

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