Augenblicke

Blick hinter die Kulissen - das ganz private Interview mit Clemens G. Arvay


Clemens G. Arvay

Clemens G. Arvay

Clemens G. Arvay studierte Biologie und Angewandte Pflanzenwissenschaften in Wien und Graz. Er ist Mitglied im österreichischen Forum Wissenschaft & Umwelt und Autor mehrerer Bestseller.

»Clemens G. Arvay bringt uns modernen, zivilisationsgeschädigten Menschen die Kraft der Natur wieder nahe – in erfrischender Sprache und unter Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse.«
Ethnologe und Bestseller-Autor Dr. Wolf-Dieter Storl

Das Interview führte Petra Danner

Programmleitung Buch
Petra Danner
Clemens G. Arvay

Das Interview

PranaHaus: Herr Arvay, Ihr Buch „Der Biophilia-Effekt“ sorgt ja seit kurzem für ordentlich Furore und bekommt in der Medienlandschaft große Beachtung. Haben Sie damit gerechnet, als das Buch rauskam?

Ich hatte schon beim Schreiben das starke Gefühl, dass mein neues Buch erfolgreich werden würde. Das Schreiben an diesem Buch hat auch meinen eigenen Zugang zur Natur sehr vertieft. Ich bewege mich jetzt mit einem geschärften Bewusstsein durch den Wald. Außerdem konnte ich dieses heilende Band zwischen Mensch und Natur, das ich immer intuitiv spürte, nun auch von der wissenschaftlichen Seite absichern. Die Arbeiten an „Der Biophilia-Effekt“ haben mein Leben so bereichert, wie es keines meiner anderen Bücher bisher schaffte. Von diesem Staunen, das ich beim Schreiben verspürte, berichten mir jetzt auch die Leserinnen und Leser – und darüber freue ich mich sehr.

Dass uns der Wald guttut, wissen die meisten wahrscheinlich intuitiv oder aus eigener Erfahrung. Wie kamen Sie darauf, das zum Thema für ein Buch zu machen?

Mit dem neuen Buch wollte ich den Menschen die unzähligen Beweise für die Heilkraft der Wälder und der Natur näherbringen, die Wissenschaftler in den letzten Jahrzehnten erbracht haben. Schon 1983 erschien in der weltbekannten Zeitschrift „Science“ eine Studie, die belegte, dass alleine der Ausblick aus einem Krankenhausfenster auf einen Baum die Genesung nach Operationen beschleunigt und auch die Schmerzen lindert. Schon der Anblick eines Baumes hat also ein heilsames Potenzial. Seit damals sind viele weitere Beweise erbracht worden.

Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse über die „Heilung aus dem Wald“ haben Sie am meisten beeindruckt?

Am meisten hat mich die Kommunikation der Pflanzen beeindruckt und dass unser ebenfalls kommunikationsfähiges Immunsystem davon profitieren kann. Der Wald ist ein Ort der dichten Kommunikation, wo Pflanzen über chemische Substanzen, sogenannte Terpene, Botschaften untereinander austauschen. Sie informieren einander beispielsweise bis ins Detail über anrückende Schädlinge oder rufen Insekten herbei. Wenn wir die Waldluft, die voll von diesen Pflanzenvokabeln ist, aufnehmen, reagiert unser Immunsystem mit einer signifikanten Steigerung und Aktivierung von Killerzellen gegen Viren und Infektionen. Diese Killerzellen schützen uns auch vor Krebs und bekämpfen Tumore. Auch die wichtigsten Anti-Krebs-Proteine werden gestärkt. Das haben Forscher der Nippon Medical School in Tokio mehrfach bewiesen. Studien zeigten sogar, dass in bewaldeten Gebieten weniger Menschen an Krebs sterben als in unbewaldeten.

Glauben Sie, dass sich damit etwas im Denken und Handeln der schulmedizinischen Welt verändert? Gibt es von dort schon Reaktionen auf Ihre Forschungen und Ergebnisse?

Wir stehen vor einem wissenschaftlichen Paradigmenwechsel. In der Humanbiologie und Medizin ist die Psycho-Neuro-Immunologie eine der ersten Disziplinen, die den Menschen konsequent als ein Geist-Körper-Wesen betrachtet, also als ganzheitliche Lebensform. Ich möchte einen Beitrag dazu leisten, dass wir uns darüber hinaus wieder als Teil der Natur begreifen, die für unsere Gesundheit essenziell ist. Die erste öffentliche Stimme aus der Wissenschaft zu meinem neuen Buch kam von Dr. Thomas Haase, dem Rektor der Hochschule für Umweltpädagogik in Wien, und er schrieb: „Ich bin von der verständlichen Darstellung der großen Zusammenhänge der Natur in diesem Buch tief beeindruckt. So wird Wissenschaft erfahrbar.“ Das ehrt mich als Autor sehr.

Sie schreiben am Anfang im Buch, dass Andreas Danzer bei seinem Erlebnis im Wald sich selbst als Teil der Natur und des großen Kreislauf des Lebens wahrgenommen hat. Das klingt sehr spirituell und fast ein wenig nach Erleuchtung. Haben Sie selbst so etwas auch erlebt?

Ich hatte selbst ein sehr intensives Natur-Erlebnis mit inneren Bildern, die mir ganz real erschienen. Es war eine Art Trance-Reise, die ich in „Der Biophilia-Effekt“ detailreich geschildert habe. Ich begegnete einem alten Mann in einer surrealen und paradiesischen Naturlandschaft, der für die Qualitäten der Natur stand. Er vermittelte mir, so angenommen zu sein, wie ich bin, und er überreichte mir ein besonderes Geschenk. Das Erlebnis war sehr eindringlich und ich begab mich danach auf die Spuren unserer evolutionären Vergangenheit als Menschheit. Ich wollte wissen, woher diese zutiefst berührenden Naturbilder aus meinem Unbewussten stammten. Und ich wurde fündig. Diese Erkenntnisse sind in meinem Buch sehr genau wiedergegeben und ich habe auf wissenschaftlicher Basis auch Fantasie- und Meditationsübungen erstellt, die den Effekt der Natur als Psychotherapeutin noch verstärken. Dass die Natur uns so annimmt, wie wir sind, und uns Abstand von gesellschaftlichen Zwängen und Urteilen gibt, bezeichnen Umweltpsychologen übrigens als „Being-away“, als „Weg-sein“.

Würden Sie sich selbst als „spirituell“ bezeichnen?

Meine persönliche Spiritualität ist sehr von meiner Verbundenheit mit der Natur geprägt. Es geht mir aber auch um ganz praktische Konsequenzen daraus: Ich gebe mir Mühe, im Einklang mit der Natur zu leben, baue in meinem ökologischen Garten mein eigenes Obst und Gemüse an und esse keine Tiere. Auch mit ihnen fühle ich mich nämlich verbunden und ich habe größte Achtung vor Tieren. Apropos „Garten“: Mein Buch enthält auch Anleitungen für die Anlage von heilenden Waldgärten vor der Haustüre.

Wie ist Ihr eigener spiritueller Entwicklungsweg verlaufen?

Als Teenager gab es eine Zeit, da wollte ich Mönch werden, wenn ich auch keine bestimmte Konfession im Auge hatte. Ich interessierte mich eine Zeit lang sehr für den Buddhismus, entfernte mich aber bald von jeglichen religiösen Traditionen. Meine Naturverbundenheit wurde sicher schon in meiner Kindheit durch meinen Großvater geprägt, der Botaniker war und mich vieles über den Wald und die Pflanzen lehrte.

Was hat Sie da am meisten beeindruckt? Oder am nachhaltigsten eine Veränderung oder Weiterentwicklung eingeleitet?

Ich kann ganz unspektakulär berichten, dass mir mein Studienwechsel im Laufe meiner biologischen Ausbildung neue Perspektiven und Zugänge ermöglicht hat. Nach meinem Bachelor-Abschluss in Biologie wechselte ich an die Universität für Bodenkultur in Wien und absolvierte ein Masterstudium der Angewandten Pflanzenwissenschaften. Das war mein Joker, denn dort lernte ich nicht nur die Biologie und Biochemie der Pflanzen, sondern ich erfuhr auch, was man mit diesem Wissen konkret anstellen kann. Also: Wie baue ich eigene ökologische Lebensmittel an? Wie halten uns Pflanzen gesund oder unterstützen uns bei der Heilung? Erst diese Verbindung der Biologie mit der Praxis, die den Menschen dient, ergab für mich wirklich Sinn. Ich schloss dieses Masterstudium mit vollem Elan und sogar mit Auszeichnung ab, und da wusste ich: Was wir mit ganzem Herzen machen und was uns mit Sinn erfüllt, damit werden wir Erfolg haben. Mit meinen Büchern hat sich diese Regel bestätigt.

Wie ging es Ihnen ansonsten als Kind, waren Sie wie andere oder was hat Ihre Kindheit – außer Ihr Großvater – sonst noch geprägt?

Ich war ein sehr stilles und auch schüchternes Kind. Es fiel mir manchmal schwer, mir unter anderen Kindern Gehör zu verschaffen. Rückblickend fällt mir auf, dass ich mir schon damals meine Auszeiten im Wald nahm oder stundenlang einem Bach zusah. Das gab mir Kraft und Abstand nach kleinen Konflikten, die es unter Kindern gibt. Ich suchte mir oft „geheime Plätze“, aber es war mir, so wie jedem Kind, wichtig, auch mit meinen Freunden in den Wald zu gehen. Vermutlich war es auch prägend, dass mich meine Eltern fast jedes Wochenende in die Berge mitnahmen. Die Heilkraft der Natur ist aber unabhängig davon, ob wir schon als Kind auf Natur geprägt wurden oder nicht. Sie läuft auf der biochemischen und psychologischen Ebene ab und ist zum Teil evolutionär begründet.

Angenommen, wir beide würden einen Waldspaziergang machen, hier im Wald, den Sie noch nicht kennen, worauf achten Sie da und worauf würden Sie mich als Ihre Begleitung unbedingt aufmerksam machen wollen?

Ich würde auf den Baumbestand achten: Ist es ein naturnaher Wald oder ein „Acker“ aus Bäumen, die in Reih und Glied gepflanzt sind? Ich würde mir einen alten, knorrigen Baum mit dickem Stamm suchen und mich dort für einige Zeit aufhalten, denn die Borke der Bäume gibt besonders viele der immunsystemstärkenden und vor Krebs schützenden Terpene ab. Aus diesem Grunde sollten wir Menschen, die Bäume umarmen und der Borke daher besonders nahekommen, nicht belächeln. Vielleicht spüren sie intuitiv, dass ihnen die Nähe der Bäume guttut. Und dann würde ich Sie darauf aufmerksam machen, dass der Wald ein einziger riesengroßer, kommunizierender Organismus ist, in den wir eintauchen, um uns mit ihm biochemisch zu verbinden und die vielen gesunden Pflanzenstoffe aufzunehmen. Würden wir Pilze sehen, würde ich Sie darauf aufmerksam machen, dass ein unsichtbares Netzwerk aus Pilzgeflechten unter der Erde alle Bäume, alle Sträucher und anderen Pflanzen des Waldes über viele, viele Quadratkilometer hinweg miteinander verbindet, sodass es zu einem Stoffaustausch unter allen Waldbewohnern kommt. Es gibt kaum ein Ökosystem, in dem mehr los ist, mehr kommuniziert wird und die Wesen stärker miteinander verbunden sind, als den Wald. Und wir können ein Teil davon sein.

Gibt es einen Spruch, ein Motto, einen Leitgedanken, der Sie als Person wiederspiegelt, bzw. Ihrer Lebensauffassung entspricht?

Spontan fällt mir auf diese Frage ein Zitat des großen US-amerikanischen Philosophen und Mitbegründers der Romantik, Henry David Thoreau, ein. Er schrieb: "Was vor uns liegt und was hinter uns liegt, sind Kleinigkeiten zu dem, was in uns liegt. Und wenn wir das, was in uns liegt, nach außen in die Welt tragen, geschehen Wunder“. Ich glaube, dass jeder Mensch ein ganz besonderes Potenzial in sich trägt, etwas, das ihn tief im Inneren ausmacht. Und das Leben bietet uns die Möglichkeit, dieses innere Potenzial auszudrücken, zu verwirklichen. Deswegen wünsche ich mir ein System, in dem Menschen nicht nur der Wirtschaft dienen und Jobs machen müssen, deren Sinn sich keinem mehr erschließt, sondern ihren Lebensauftrag wirklich umsetzen können. Aber ich schweife vom Thema ab. Für mich war Buchautor jedenfalls schon lange mein Traumberuf und ich wollte immer über Mensch und Natur schreiben. Bücherschreiben ist für mich der beste Weg, „das, was in mir liegt, in die Welt zu tragen“, um es mit Thoreaus Worten zu sagen.

Gibt es schon weitere Pläne, neue Projekte? Oder gar ein weiteres Buch?

„Der Biophilia-Effekt“ hat mir den Anstoß gegeben, nun endlich mein seit sieben Jahren geplantes Doktorat in Angriff zu nehmen. Es fehlte stets an einem wissenschaftlichen Thema, für das ich genug Leidenschaft entwickeln konnte, um diese Mühen neben meinem Beruf als Autor auf mich zu nehmen. Jetzt habe ich endlich den Stoff für dieses Doktorat und es geht dabei um den medizinischen Nutzen von Naturerfahrungen zur gezielten Unterstützung der Heilung von Krankheiten. Ich freue mich sehr auf diese Forschungstätigkeit, weil es mir wichtig ist, mein ökologisches Menschenbild mit dem Potenzial der modernen Wissenschaft zu verbinden. Ein weiteres Buch wird es auf jeden Fall geben, nämlich schon nächstes Jahr. Und es wird sich wieder um die Mensch-Natur-Beziehung drehen.

Wollen Sie unseren Kunden und Ihren Lesern noch eine persönliche Botschaft mit auf ihren Weg geben?

Es wird für die meisten Ihrer Leserinnen und Leser nichts Neues sein, wenn ich betone, wie wichtig es ist, dass wir unser Bewusstsein für die Natur schärfen – als Gesellschaft meine ich. Wir sind Kulturwesen ebenso wie Naturwesen und wir werden immer beides sein. Ohne Natur sind wir nicht lebensfähig. Und um gesund zu bleiben, benötigen wir den psychologischen, körperlichen und biochemischen Austausch mit Pflanzen und Ökosystemen. Wenn Sie das heilende Band zwischen Mensch und Natur intuitiv fühlen, sollten Sie sich von keinem Menschen auf der Welt einreden lassen, dass Sie naiv seien oder Ihren Sinnen nicht trauen könnten. Die Wissenschaft der Zukunft wird Ihnen Recht geben!

Ganz herzlichen Dank, Clemens Arvay, dass Sie sich Zeit genommen haben.

Vielen Dank auch von meiner Seite.

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